30/04/2012

Gegensätze einfach leben!

 
Sandra Kössler, 25 Jahre, hat Politikwissenschaft in Eichstätt und Rennes studiert. Heute arbeitet sie als Redakteurin bei der Zeitschrift ParisBerlin

Kontrastreich - das war die Studienzeit für Sandra Kössler auf alle Fälle. Die gebürtige Schwäbin entschied sich nach dem Abitur für ein Studium der Politikwissenschaft zwischen Eichstätt und Rennes. Zwei Städte, die unterschiedlicher nicht sein könnten: auf der einen Seite das beschaulich-idyllische Eichstätt in Bayern - mit rund 13.000 Einwohnern Deutschlands kleinste Universitätsstadt - , auf der anderen das sprudelnde Rennes in der maritimen Bretagne, „wo immer was los war“, schwärmt die 25-Jährige noch heute. Malerisch sei die bretonische Hauptstadt mit ihrem historisch geprägten Fachwerk im Stadtkern, das anders als in Deutschland ganz „krumm und schief“ sei, so Kössler, die heute in Berlin wohnt und arbeitet. Ein Augenschmaus sei aber auch die Natur rund um Eichstätt, der Puls der Stadt schlage aber eher gemächlich. „Wenn es eine Party am Abend gab, dann gab es auch nur die eine“, erzählt die DFH-Absolventin, die Eichstätt gegenüber zwar zunächst etwas skeptisch eingestellt war, letztendlich aber in sehr guter Erinnerung behalten hat. Besonders die Bindung unter den Studenten wäre dort sehr intensiv gewesen, förderte den Zusammenhalt der deutsch-französischen Gruppe, selbst semesterübergreifend, erinnert sich die heutige Redakteurin, die heute wie damals immer wieder die Abwechslung und direkte Konfrontation mit unterschiedlichen Systemen lebt. „Ich habe aus allem die Vorteile mitgenommen - das ist eine enorme Bereicherung“, sagt Kössler über ihren binationalen Studienverlauf. „Die Kunst der Dissertation und das sehr strukturierte Arbeiten habe ich in Rennes erst richtig gelernt und bis heute beibehalten“, gesteht die Wahl-Berlinerin, für die der Systemwechsel ein schöner Ausgleich zu dem großen Hang zur Diskussion an deutschen Hochschulen gewesen sei. Für Kössler keine Frage der Bewertung, sondern eine wertvolle Erfahrung, als deutsche Studentin wie Franzosen gleichbehandelt zu werden. Diese Erfahrungen kommen der frankophilen Politikwissenschaftlerin heute zugute. Als Redakteurin von „ParisBerlin“ berichtet sie nicht nur über Frankreich, Deutschland und Europa, sondern ist ständig mit unterschiedlichsten Wahrnehmungen von nicht-deutschen Journalisten konfrontiert. Dabei seien oft der Humor und die Wertung ganz anders als hierzulande. Dass die Affäre um Alt-Bundespräsident Wulff wochenlang die Schlagzeilen beherrschte und ihn letztlich zum Rücktritt zwangen, hätten viele französische Korrespondenten zum Beispiel nicht verstanden. „In Frankreich wäre es wahrscheinlich nicht so weit gekommen“, wagt die ParisBerlin-Redakteurin zu behaupten. Und sie muss es wissen, denn durch ihren Beruf ist sie tagtäglich mit Frankreich in Kontakt. Doch auch privat kommt Frankreich nicht zu kurz. Schon sehr früh sei sie von Land und Sprache fasziniert gewesen. „Französisch war meine erste Fremdsprache und in der sechsten Klasse kam der erste Schüleraustausch mit Albertville“, erzählt die Baden-Württembergerin von den Anfängen ihrer deutsch-französischen Laufbahn. Zu ihrer damaligen Austauschschülerin hat die 25-jährige noch heute Kontakt, besucht sie genauso wie ihre französischen Freunde aus der Studienzeit - gerne auch zusammen mit ihrem Freund, der Franzose ist. Offen ist Kössler aber auch für andere Länder, bereiste schon Indien und den Senegal. Die Umstellung auf andere Länder fällt ihr dabei nicht schwer - eine Fähigkeit, die sie klar auf das Studium zurückführt. „Diesen weiten Horizont haben auch alle meine Kommilitonen, die sich ohne große Mühe in andere Kulturen einfinden können.“ Für Sandra Kössler ist genau das ihr tagtägliches Handwerk, auch ohne auf Reisen zu gehen. 

                                                                                                                                                      Julia Zorn

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