25/02/2013

Von fliegenden Engländern und französischer Galanterie


Wenn der Deutsche diskret und ohne Rücksicht auf Höflichkeiten „die Fliege macht“, dann wird ihm schnell vorgeworfen, sich mal wieder „französisch“ verabschiedet zu haben. Der Franzose hingegen „file à l’anglaise“.
Sollte man irgendwann in einer ruhigen Minute (oder auch aus reiner Langeweile) auf die Idee kommen, sich einmal mit der sprachgeschichtlichen Dimension auseinander zu setzen, d.h. einfach mal nach der Herkunft des Ausdrucks zu googlen, findet man folgende Erklärung:
„Filer à l’anglaise“ steht in keinerlei Zusammenhang mit der Verhaltensweise des Engländers (l’Anglais). Es leitet sich vom altfranzösischen Wort „anglaiser“ ab, was mit „fliegen“ übersetzt wird. Et voilà, auf einmal ist das französische  „filer à l’anglaise“ dem deutschen Ausdruck „die Fliege machen“ gar nicht mehr so unähnlich.
Was allerdings den Ausdruck „sich französisch verabschieden“ angeht, so handelt es sich dabei tatsächlich um ein Ressentiment der Deutschen (und wohlgemerkt auch der Engländer --> "french leave"  und der Spanier --> "despedirse a la francesa"!) gegenüber den Franzosen:
Es bezeichnet die (angeblich typisch französische) unhöfliche Angewohnheit, Veranstaltungen zu verlassen, ohne sich (beim Gastgeber) verabschiedet zu haben. Dazu eine kleine Anekdote:
Als Johann Sebastian Bach 1717 nach Dresden reiste, machte dort eben zu der Zeit der französische Klavier- und Orgelvirtuose Louis Marchand mächtig von sich reden. Bach forderte ihn zu einem Virtuosenwettstreit heraus. Aber Marchand, nachdem er heimlich Bachs Orgelspiel belauscht hatte, zog es vor, sich „französisch zu verabschieden", d.h. er entzog sich dem Wettstreit durch rasche Abreise.
Einer anderen Quelle nach kommt der Ausdruck aus der (wohl wieder typisch französischen) Galanterie; Der Liebhaber habe nämlich bei plötzlichem Erscheinen des Ehemanns nicht einfach die Vordertüre nehmen können, sondern habe schnellstmöglich auf einem anderen Wege verschwinden müssen.


Alors, pour ne pas m’enfuir „à la française“ : Au revoir ! À bientôt !
Cathérine Schneider

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