08/03/2013

Das hat weder Hand noch Fuß!


Wann habt ihr euch das letzte Mal gefragt, woher eine Redewendung eigentlich kommt?
Bei mir war es soweit, als ein Dozent meine letzte Klausur mit den Worten „Die Argumentation hat weder Hand noch Fuß“ kommentierte.  
Eine Argumentation mit Hand und Fuß, das klingt doch irgendwie merkwürdig, oder? Während ich mir vorstelle, wie mein Klausurbogen sich vor dem Dozenten aufbaut, mit dem Fuß auf den Boden stampft und wild mit der Hand gestikulierend meine Thesen untermalt, suche ich im Internet nach dem Ursprung dieser Redewendung.
Dabei stoße ich auf die französische Übersetzung sans queue ni tête. Weder Kopf noch Schwanz? Irgendeinen Grund muss es wohl haben, dass man für nicht gut durchdachte Unternehmungen oder, in meinem Fall, möglicherweise leicht unlogisch formulierte Argumente, in beiden Sprachen Körperteile verwendet.

Aber was haben Hand und Fuß mit Kopf und Schwanz gemeinsam?
Als ich die Erläuterung zu sans queue ni tête durchlese, merke ich, dass ich auf dem Holzweg bin. Der französische Ausdruck hat nichts mit irgendwelchen Körperteilen zu tun, viel mehr bezieht er sich auf Anfang (tête) und Ende (queue) einer Geschichte, ohne die die übrige Geschichte keinen Sinn ergeben würde.
Die Redewendung weder Hand noch Fuß hat immerhin tatsächlich etwas mit den Körperteilen zu tun. Allerdings war ich auch hier auf der falschen Fährte. Sie hängt nicht mit der mittlerweile weitverbreiteten Auffassung zusammen, dass die Art etwas zu präsentieren mindestens genauso wichtig ist, wie der Inhalt der Aussage. Dafür liegt ihr Ursprung schon zu weit zurück, dieser Ausdruck stammt nämlich aus dem Mittelalter. Damals war für den Mann ein intakter Körper lebenswichtig. Ohne die rechte Hand, mit der er das Schwert führte und ohne den linken Fuß, den er zum Besteigen des Pferdes brauchte, war er verloren.

In etwa so, wie meine Klausur.

Annika Thies

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