05/06/2013

Macht und Ohnmacht - Medien in Frankreich und Deutschland 2013

Das Internetportal Mediapart bringt die Existenz eines geheimen Schweizer Bankkontos ans Licht und leitet damit den Niedergang des französischen Budgetministers Jêrome Cahuzac ein.  Weltweit werden den Presseorganen Daten über Steuerhinterziehung zugespielt, die in den Folgemonaten für Aufsehen sorgen können. Türkische Medien versuchen beim Bundesverfassungsgericht Presseplätze für den Prozess gegen die Zwickauer Terrorzelle einzuklagen, was eine Verschiebung des Prozessbeginns beim bislang uneinsichtigen Oberlandesgericht München bewirkt.
Durch ihren großen Einfluss können Medien Regierungskrisen auslösen, Politiker nach vorne bringen oder diese stürzen. Sie können die Meinungen der Menschen beeinflussen, Debatten anstoßen und Skandale ans Licht bringen. Aufgrund dieses großen Einflusses sind sie gefürchtet, gehasst und geliebt zugleich. Journalisten liefern uns Bilder und Berichte aus aller Welt, sie fahren in Krisengebiete und bringen sich manchmal, wie zuletzt der ARD Korrespondent Jörg Armbruster in Syrien, selbst in Gefahr.


Jedoch gleicht auch die Medienbranche selbst seit Jahren einem Krisengebiet. Viele Verlage schienen angesichts sinkender Abonnenten und Anzeigenkunden am Boden zu sein. Nur langsam werden Ideen für eine dauerhafte Finanzierung von journalistischen Inhalten auch im Netz entwickelt. Die Herausforderungen des digitalen Zeitalters sind gigantisch. Eine immer größere Flut von Informationen muss in immer kürzerer Zeit multimedial aufbereitet werden. Schreiben, filmen, fotografieren, bloggen, chatten... die Anforderungen an die Journalisten sind größer geworden. Nie zuvor waren die Arbeitsbedingungen und Berufsaussichten für Journalisten so schlecht wie heute.

Jedoch gibt es wie immer auch eine andere Seite der Medaille. Die Digitalisierung bietet zuvor völlig ungeahnte Möglichkeiten, um direkt mit Hörern, Zuschauern und Lesern zu kommunizieren. Durch das Web 2.0, also die Möglichkeit, selbst als Prosument im Internet Inhalte anzubieten, sind neue Informationswege entstanden. In sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter werden Meldungen und Meinungen ausgetauscht, Fotos von Ereignissen innerhalb weniger Minuten auf der ganzen Welt verbreitet. Die neuen Kommunikationsformen  dienen selbstverständlich - und das hat der Arabische Frühling gezeigt - nicht nur zur Unterhaltung, sondern können auch etwas bewegen.

In den folgenden Wochen widmet sich der Blog der Deutsch-Französischen Hochschule den Medien in Deutschland und Frankreich.  Wir begeben uns auf die Spuren von Twitter, fragen nach dem Einfluss der Bild-Zeitung und des Magazins "Der Spiegel", schauen hinter die Kulissen des französischen Satireblattes "Canard Enchainé" und auf das neue Berufsfeld Social Media. Wir werfen einen Blick auf die Journalistenausbildung in beiden Ländern, auf das Leben als Korrespondent und auf das Zeitungssterben. Kürzer formuliert, unser Interesse liegt in der Macht und Ohnmacht von Medien und Journalisten in unserer Zeit.

Wir wünschen Euch eine interessante Lektüre in den kommenden Wochen und freuen uns auf Eure Kommentare und kritischen Anmerkungen.


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