01/07/2013

Jochen Zoerner-Erb und das Festival Perspectives


Das Festival Perspectives. Oder genauer: Deutsch-französisches Festival der Bühnenkunst. Sagt euch das was? Das Festival wurde 1978 von Jochen Zoerner-Erb in Saarbrücken gegründet. Bereits beim ersten Mal waren knapp 1000 Besucher dabei. 35 Jahre später besuchten nun rund 13.000 Personen das Festival. Aber auf welcher Grundlage wurde dieses Festival gegründet? Herr Zoerner-Erb erklärt uns, warum und wie das Festival Perspectives zustande kam und beschreibt die positive Entwicklung des besonderen Events.

Die Gründung

© Joachim Krug
Ich war Dramaturg in Saarbrücken. Ich war bis dahin noch nicht sehr viel gereist und wollte wissen, welche andere Theaterformen es in anderen Ländern gibt.“
Ob Theaterstraße oder Tanztheater, das visuelle Theater interessiert Herr Zoerner-Erb. Man muss nicht zwangsläufig die Sprache beherrschen, um eine Vorstellung genießen zu  können. Als er beispielsweise zum ersten Mal ein Stück über Arbeitslosigkeit im Théâtre du Châtelet in Paris gesehen hat, konnte er kaum Französisch, aber das Theaterstück hat er dank dem starken visuellen Konzept verstanden und gemocht. Zoerner-Erb hat solche Theateraufführungen schon immer bewundert, so wie zum Beispiel auch in Avignon, wo während eines Theaterfestivals auch sehr viel Straßentheater zu sehen war.
Nach dem Stück in Paris hatte Herr Zoerner-Erb die Idee, dieses Konzept des freien französischen Theaters nach Deutschland zu bringen, sodass die Deutschen verschiedene Theaterformen aus Frankreich, vorgeführt durch freie unabhängige Gruppen (Theaterstraße), sehen können. Herr Zoerner-Erb hat die Gruppen, die ihm in Paris gefallen haben, gefragt, ob sie bereit wären, auch in Deutschland vorzuführen. Sie waren einverstanden und so wurde auch dank der Hilfe des Bürgermeisters von Saarbrücken das Theaterfestival Perspectives im Jahre 1978 gegründet.


Frankreich – Deutschland

„Was machen die Franzosen? Was machen sie anders als wir?“ Im Gegenteil zu Deutschland gibt es sehr viele Straßentheater in Frankreich. Diese Perspektive hat den Gründer des Festivals motiviert und interessiert. Ziel war also, eine Art des französischen Theaters an das Volk zu bringen. Es sollten nur Stücke aus Frankreich und von Franzosen gespielt werden. Deshalb entstand die „Woche des jungen französischen Theaters“, oder auf Französisch „Perspectives du jeune théâtre français“.

© Joachim Krug
Als das Festival das erste Mal aufgeführt wurde, fand es im deutsch-französischen Grenzgebiet statt, wo zuvor Krieg zwischen den beiden Ländern herrschte. Es ist sicher eine schöne Geschichte, dass in diesem Gebiet nun Franzosen ihre Theaterstücke für Deutsche aufführten. Selbst in einer Bäckerei, früh am Morgen, wurde gespielt. Prinzipiell überall, wo es für Theaterstücke ganz untypisch ist, diese Idee steckte hinter dem Festival Perspectives. Auf diesem Wege sind die Künstler dem Publikum ganz nah und vertraut; die Stimmung ist schön und gelassen, man unterhält sich unter Künstlern und Zuschauern in einem Café, um sich untereinander anzunähern und kennenzulernen. Das ist für Jochen Zoerner-Erb das Wichtigste: Der Kontakt zum Publikum, zu den Leuten, die sich an anderen Formen des Theaters interessieren. Deswegen wählte er keine theatralischen Orte für das Theaterfestival, denn authentisch sollte es bleiben.


Heutzutage

Perspectives wurde schon vor 35 Jahren gegründet. Sieben Jahre war Jochen Zoerner-Erb der Leiter des Festivals. Auch wenn Perspectives der Höhepunkt seiner Karriere ist, hat der Gründer des Festivals im Bereich Theater noch viele andere Dinge bewegt und ist dafür auch auf Reisen gegangen. Ob in Spanien, in Montenegro, in Kroatien, in Slowenien… Zoerner-Erb war in vielen Ländern Dramaturg. Ein Stück von Brecht hat er zum Beispiel in Montenegro auf die Bühne gebracht, sowie in deutschen Städten wie Saarbrücken, Dortmund, oder Mannheim. Des Weiteren war er tätig in einer Theaterjury in Montreal (Kanada) und hat das Tanatheater organisiert.
Seit der Gründung von Perspectives ist also sehr viel passiert. Auch das Festival selbst hat sich verändert. Der erste Name, die „Woche des jungen französischen Theaters“/ „Perspectives du jeune théâtre français“ wurde 2002 zu „deutsch-französisches Festival“ geändert. Mittlerweile trägt es den Namen „deutsch-französisches Festival der Bühnenkunst PERSPECTIVES“. Auch die Art und Weise, wie das Festival abläuft, hat sich verändert:  Heutzutage sind die Stücke auch in Metz und in Forbach (Le Carreau) zu sehen. Außerdem gibt es gibt mittlerweile nicht nur französisches freies Theater, sondern auch Zirkus, Musik, Akrobatik und Pantomime. Ein sehr großes Programm für zehn Tage Festivals wird also auf die Beine gestellt. Auch deutsche Künstler sind nun dabei. Sogar wurden dieses Jahr manche Aufführungen auf Englisch und Niederländisch gezeigt mit Untertiteln. Künstler kommen nicht mehr nur aus Frankreich, sondern auch aus Deutschland, bzw. aus Belgien.


Was ist aber die Meinung von Jochen Zoerner-Erb?

© Joachim Krug
„Das habe ich nicht gewollt. Ich wollte was ganz besonderes. Ich wollte es exklusiv und besonders für Saarbrücken mit dem französischen Theater machen. Das war für mich immer die Bedingung, es sollte aus Frankreich kommen. Ich wollte kein deutsches Theater, denn das kannten die Leute ja bereits. Ich wollte ein Theater, das uns etwas Fremdes aufzeigt.
So was habe ich noch nie gemacht (Stücke auf Deutsch, Englisch oder Niederländisch, NDLR). Es war immer nur französisches Theater. Ich hatte doch so viele Bekannte und Freunde in Frankreich, in verschiedenen Städten, oder Journalisten, die sagten: „Man muss die einladen, sie sind gut, komm und guck‘ dir das an!“ Das war wie ein Netzwerk. Und wir haben immer Orte gesucht, die ganz theatralisch sind.“
Erfolgreich ist Perspectives immer noch, genauso wie der Gründer des Festivals Zoerner-Erb: „Ich hoffe, dass es noch lange leben wird.“


Link zur Website des Festivals Perspectives: http://www.festival-perspectives.de/index.php?id=1&no_cache=1&L=qohprkgfj

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