12/11/2013

Schritt für Schritt zum Europaexperten



Sie heißen Moricka, Jasiu, Juku, Fritzchen oder... Toto. Und Romain Seignovert hat ihnen ein Buch gewidmet. Les meilleurs blagues de Toto à travers l'Europe ist eine Sammlung von Witzen, aber noch viel mehr als das. Der 26-Jährige Franzose aus dem kleinen Ort Saint-Cyr in der Region Ardèche hat sich auf die Spuren des kleinen Jungens gemacht, der im Mittelpunkt von tausenden Witzen aber nicht in allen Ländern für das Gleiche steht.
In manchen Ländern, wie Russland, hat der kleine Bengel gar eine politische Dimension, denn es geht ihm darum, den Kommunismus auf die Schippe zu nehmen. Seine Freunde haben Romain schon den Spitznamen totologue / Totologe gegeben, aber wie wird man zum Experten für die Fritzchen-Witze?
 

Eigentlich hat Romain Politikwissenschaften studiert. Die Wahl fiel auf einen deutsch-französischen Studiengang an den Universitäten Rennes und Eichstätt. Denn zu Deutschland hatte er schon immer eine besondere Beziehung, ein Faible. Weil seine Mutter eine enge Brieffreundin in Passau hat, macht die Familie dort regelmäßig Urlaub. „Für mich war es immer sehr exotisch dort in die katholische Messe zu gehen“, erinnert er sich lachend. Nach jeweils zwei Jahren an den Partneruniversitäten, geht es für ein Jahr nach Spanien, um den Master zu beenden. Stück für Stück integriert er unterschiedliche Sprachen und Kulturen... Die nationalen Identitäten verschmelzen und Romain fühlt sich heute zuallererst wie ein Europäer.
 

Europa steht auch im Zentrum seiner ersten beruflichen Erfahrungen bei der Vertretung der Europäischen Kommission in Paris. Im Anschluss geht es nach Brüssel, wo Romain heute lebt und arbeitet. Bei Publicis, einer der drei größten Werbedienstleister weltweit, kümmert er sich um den Themenbereich Energie und berät Unternehmen im Hinblick auf deren Zusammenarbeit mit Institutionen der EU. Ein unbefristeter Vertrag mit 26, spannende Arbeitsaufgaben und das Leben im Schmelztigel der Europapolitik: die Wahl des Studiums,  Fleiß und Ausdauer haben sich für Romain ausgezahlt.
 

Neben dem Job hat er aber immer auch eigene Projekte verfolgt. Das Fieber für Europa war ein Grund für ihn, 2011 den Blog Europe is Not Dead ins Leben zu rufen. Mit dem Ziel, eine transnationale Perspektive auf nationale Themen aus den einzelnen europäischen Ländern zu werfen. Vor allem aber von Europa auf unterhaltsame Weise zu erzählen. Romain stellt Fragen wie: Was ist die teuerste Straße im italienischen Monopoly? Was ist das beliebteste Weihnachtslied in Norwegen? Welches ist das niederländische Wort für das es keine Übersetzung gibt? Auf dem Blog begann er auch, über Toto zu schreiben. Freunde und Bekannte aus ganz Europa hatte Romain darum gebeten, ihm Witze zu sammeln und zu übersetzen. Als dann ein Verleger auf die Toto-Witze stieß, bot er Romain an, daraus ein Buch zu machen.

Seine Recherchen amüsieren ihn und überraschen, denn für die europäischen Totos gibt es massenhaft politischen und kulturellen Hintergrund zu entdecken. Aus Romain wird so nach und nach der Totologe. In 17 europäischen Ländern war er selbst schon, zählt er nach. Genug Gelegenheit also, auch vor Ort sein Wissen um die Witzkultur zu testen. „Manchmal kann man über die Witze nicht lachen, wenn man bestimmte landeskulturelle Bezüge nicht kennt. Oder der Humor ist schlicht ein anderer, wie in England, der berühmte schwarze.“ 


Romain kann sich gut vorstellen, dass sein Buch auch in anderen Ländern erscheint, am liebsten natürlich zuallererst in Deutschland, wo Toto-Fritzchen bis heute als Modell des frechen Bengels herhalten muss. Aber Romain denkt auch schon weiter. Er könnte auch mit anderen Themen auf eine Europa-Reise gehen... Eine musikalische Reise ist bereits in Planung, Romain arbeitet an einem Fernsehformat mit. Nach dem Totologen vielleicht also der Musikologe... Dann lernt Europa neben dem Lachen auch noch das Tanzen.


Autorin:
Romy Strassenburg

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